
Zusammenfassend:
- Der langfristige Anlageerfolg hängt zu über 90 % von der richtigen Aufteilung des Vermögens (Asset Allocation) ab, nicht von der Auswahl einzelner Aktien.
- Die größte Gefahr für Ihr Erspartes ist nicht das Marktrisiko, sondern der stille Kaufkraftverlust durch Inflation.
- Minimale Kosten sind der entscheidende Hebel für eine maximale Rendite. Jeder Euro Gebühr ist ein verlorener Euro für Ihren Vermögensaufbau.
- Eine einfache, diszipliniert durchgehaltene Strategie mit 1-2 globalen ETFs ist komplexen Ansätzen fast immer überlegen.
Die Welt der Finanzen gleicht oft einem lauten, unübersichtlichen Casino. Täglich werden neue „heiße Tipps“ ausgerufen, komplexe Produkte beworben und vor dem nächsten Crash gewarnt. Für sicherheitsorientierte Anleger, die ihr hart erarbeitetes Geld schützen und vermehren wollen, wirkt dieses Chaos abschreckend. Viele ziehen sich daher auf das scheinbar sichere Sparbuch zurück und übersehen dabei die größte Gefahr von allen. Die gängigen Ratschläge – „breit streuen“, „langfristig denken“ – sind zwar richtig, bleiben aber oft oberflächliche Phrasen ohne tiefes Verständnis.
Doch was wäre, wenn Geldanlage weniger mit Raten und Spekulieren zu tun hätte und mehr mit angewandter Wissenschaft? Was, wenn Ihr Erfolg nicht von unberechenbaren Prognosen abhinge, sondern von wenigen, zeitlosen Prinzipien, die mathematisch und psychologisch fundiert sind? Die Wahrheit ist: Erfolgreiche Kapitalanlage ist kein Mysterium, sondern das konsequente Anwenden fundamentaler Gesetze. Es geht nicht darum, den Markt zu schlagen, sondern darum, sich die unaufhaltsamen Kräfte des Marktes zunutze zu machen.
Dieser Artikel ist Ihr Kompass. Wir werden die Meinungen und das Marktrauschen ignorieren und uns ausschließlich auf die evidenzbasierten Wahrheiten konzentrieren, die das Fundament für einen stressfreien und erfolgreichen Vermögensaufbau legen. Wir entschlüsseln die „Anlage-Physik“ – die unumstößlichen Regeln, die über Jahrzehnte hinweg funktionieren. Sie werden lernen, wie Sie Ihr Vermögen nicht nur vor den offensichtlichen Risiken, sondern auch vor den versteckten Rendite-Fressern wie Inflation und Gebühren schützen. Am Ende werden Sie verstehen, warum strategische Langeweile die intelligenteste Entscheidung ist, die Sie für Ihre Finanzen treffen können.
Um diese fundamentalen Prinzipien Schritt für Schritt zu verinnerlichen, haben wir diesen Leitfaden klar strukturiert. Der folgende Überblick zeigt Ihnen den Weg von der wichtigsten strategischen Entscheidung bis hin zum Aufbau eines einfachen, aber schlagkräftigen Portfolios.
Sommaire : Ein wissenschaftlicher Leitfaden für Ihren Anlageerfolg
- Die wichtigste Entscheidung: Warum die Asset Allocation 90% Ihres Anlageerfolgs bestimmt
- Kennen Sie Ihr Limit: Wie Sie Ihre persönliche Risikotoleranz als Anleger richtig einschätzen
- Das Risiko des Nicht-Investierens: Warum Ihr Sparbuch die unsicherste Geldanlage von allen ist
- Der Kosten-Killer: Wie Gebühren Ihre Rendite auffressen und wie Sie sich davor schützen
- Die Macht der Einfachheit: Warum eine simple Anlagestrategie die komplexeste übertrifft
- Der entspannte Weg zum Vermögen: Eine einfache Anleitung zum Aufbau eines globalen ETF-Portfolios
- Fördermittel optimal nutzen: Eine Anleitung für den Dschungel der Bau-Förderungen
- Wirtschaft und Finanzen verstehen: Ein klarer Kompass für Ihre finanziellen Entscheidungen
Die wichtigste Entscheidung: Warum die Asset Allocation 90% Ihres Anlageerfolgs bestimmt
Die Jagd nach der nächsten „Gewinner-Aktie“ ist eine der größten und teuersten Ablenkungen für private Anleger. Die wissenschaftliche Evidenz ist hier erdrückend: Nicht die Auswahl einzelner Titel, sondern die strategische Aufteilung Ihres Vermögens auf verschiedene Anlageklassen – die sogenannte Asset Allocation – ist der alles entscheidende Faktor. Langzeitstudien belegen unmissverständlich, dass über 90 % der Wertentwicklung und der Schwankungen eines Portfolios allein auf diese eine Entscheidung zurückzuführen sind. Dies ist das erste Gesetz der Anlage-Physik.
Stellen Sie sich Ihr Portfolio wie ein Haus vor. Die Asset Allocation ist das Fundament und die tragende Struktur. Die einzelnen Aktien oder ETFs sind lediglich die Ziegelsteine. Ein noch so perfekter Ziegelstein kann ein fehlerhaftes Fundament nicht retten. Die Struktur-Rendite, also der Ertrag, der aus der grundlegenden Zusammensetzung Ihres Portfolios entsteht, ist weitaus mächtiger als der Versuch, durch Stock-Picking einen kleinen Vorteil zu erzielen. Ein klassisches, global diversifiziertes 60/40-Portfolio (60 % Aktien, 40 % Anleihen) erzielte beispielsweise über die letzten 100 Jahre eine durchschnittliche reale Rendite von fast 8 % pro Jahr – nicht durch clevere Einzelwetten, sondern durch seine robuste Struktur.
Die Konsequenz ist ebenso einfach wie befreiend: Konzentrieren Sie Ihre Energie nicht auf die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, die für Sie passende Aufteilung zwischen risikoreicheren, aber wachstumsstarken Anlagen (wie Aktien) und stabilisierenden, risikoärmeren Anlagen (wie Anleihen) zu definieren. Diese eine Entscheidung legt den Grundstein für Ihren gesamten zukünftigen Erfolg. Alles andere ist nachrangig.
Kennen Sie Ihr Limit: Wie Sie Ihre persönliche Risikotoleranz als Anleger richtig einschätzen
Die optimale Asset Allocation ist keine universelle Formel, sondern ein Maßanzug. Sie muss perfekt zu Ihrer persönlichen Risikotoleranz passen. Diese zu kennen, ist die zweite entscheidende Komponente für stressfreien Anlageerfolg. Ihre Risikotoleranz bestimmt, wie viel Schwankung Sie emotional und finanziell aushalten können, ohne in Panik zu geraten und den fatalsten aller Fehler zu begehen: zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen. Die „Verhaltens-Gravitation“ – die psychologische Kraft, die uns in Marktkrisen zum Verkauf und in Hype-Phasen zum unüberlegten Kauf zieht – ist der größte Feind des Anlegers.
Die Einschätzung Ihrer Risikotoleranz ist ein introspektiver Prozess, der auf drei Säulen ruht: Ihrem Anlageziel (Wofür sparen Sie?), Ihrem Anlagehorizont (Wie lange können Sie auf das Geld verzichten?) und Ihrer persönlichen Belastbarkeit. Je länger der Horizont, desto mehr Risiko können Sie eingehen, da kurzfristige Schwankungen über die Zeit an Bedeutung verlieren. Eine oft genutzte Faustregel zur Bestimmung des maximalen Aktienanteils ist die Formel „100 minus Lebensalter“. Ein 40-jähriger Anleger könnte demnach bis zu 60 % seines Portfolios in Aktien investieren. Dies ist jedoch nur ein Anhaltspunkt.
Die entscheidende Frage lautet: Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Portfolio in einem Börsencrash temporär um 30 % oder 40 % an Wert verliert? Wenn der Gedanke daran Ihnen den Schlaf raubt, ist Ihr Aktienanteil zu hoch, egal was die Faustregel sagt. Ein Portfolio, das Sie nachts nicht schlafen lässt, ist das falsche Portfolio. Erfolgreiche Geldanlage bedeutet, eine Strategie zu finden, die Sie auch in den stürmischsten Zeiten diszipliniert durchhalten können.
Das Risiko des Nicht-Investierens: Warum Ihr Sparbuch die unsicherste Geldanlage von allen ist
Für viele sicherheitsorientierte Deutsche fühlt sich das Sparbuch oder das Tagesgeldkonto wie der Inbegriff von Sicherheit an. Der Kontostand schwankt nicht, das Geld ist scheinbar geschützt. Doch das ist eine gefährliche Illusion. In Wahrheit ist das Nicht-Investieren die riskanteste Strategie von allen, denn sie garantiert Ihnen einen Verlust. Der schleichende Feind heißt Inflation – ein zentrales Element der „Rendite-Leckage“.
Inflation bedeutet, dass Ihr Geld jedes Jahr an Kaufkraft verliert. Wenn die Inflationsrate bei 3 % liegt, können Sie sich mit 100 Euro in einem Jahr nur noch so viel kaufen wie mit 97 Euro heute. Liegt Ihr Geld auf einem Konto, das weniger Zinsen abwirft als die Inflationsrate hoch ist, wird Ihr Vermögen real weniger wert. Die dramatischen Auswirkungen dieses Effekts wurden in den letzten Jahren schmerzlich deutlich. Allein die Inflation in den Jahren 2022-2023 hat deutschen Sparern einen Kaufkraftverlust von über 13 % beschert, was einem realen Vermögensverlust von hunderten Milliarden Euro entspricht.
Das vermeintlich „sichere“ Sparbuch ist also in Wirklichkeit eine Enteignungsmaschine mit garantiert negativer Realrendite. Das Risiko an den Aktienmärkten ist hingegen ein anderes: Es ist das Risiko temporärer Schwankungen (Volatilität). Langfristig haben die globalen Aktienmärkte jedoch jede Inflationsperiode überstanden und eine deutlich positive reale Rendite erwirtschaftet. Das wahre Risiko ist also nicht, investiert zu sein, sondern es nicht zu sein und der Inflation schutzlos ausgeliefert zu sein.
Die folgende Tabelle verdeutlicht, wie dramatisch der Kaufkraftverlust über einen Zeitraum von nur zehn Jahren sein kann, selbst bei scheinbar moderaten Inflationsraten. Sie ist eine kalte Dusche für jeden, der glaubt, sein Geld auf dem Konto sei sicher. Wie die Analyse des Vermögenszentrums zeigt, ist die Erosion der Kaufkraft ein unaufhaltsamer Prozess, dem man nur durch kluges Investieren entgegenwirken kann.
| Startkapital | Inflationsrate | Wert nach 10 Jahren | Kaufkraftverlust |
|---|---|---|---|
| 50.000€ | 2% p.a. | 40.900€ | -18,2% |
| 100.000€ | 2,7% p.a. | 77.000€ | -23% |
| 100.000€ | 4% p.a. | 67.556€ | -32,4% |
Der Kosten-Killer: Wie Gebühren Ihre Rendite auffressen und wie Sie sich davor schützen
Neben der Inflation gibt es eine zweite, ebenso verheerende Form der „Rendite-Leckage“: die Kosten. Gebühren sind der größte kontrollierbare Feind Ihrer Rendite. Während Sie Marktbewegungen nicht beeinflussen können, haben Sie die volle Kontrolle über die Kosten Ihrer Geldanlage. Jeder Euro, den Sie an Gebühren sparen, ist ein Euro, der für Sie und den Zinseszinseffekt arbeiten kann. Die Wirkung von Kosten ist, ähnlich wie die der Inflation, exponentiell.
Besonders teuer sind oft aktiv gemanagte Fonds, die mit dem Versprechen werben, den Markt zu schlagen – ein Versprechen, das statistisch gesehen in über 80 % der Fälle nicht gehalten wird. Ihre hohen laufenden Kosten (Total Expense Ratio, TER) von oft 1,5 % pro Jahr oder mehr fressen einen riesigen Teil der potenziellen Rendite auf. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt die dramatischen Folgen: Bei einer Anlage von 100.000 € und einer angenommenen Bruttorendite von 7 % pro Jahr führt eine TER von 1,5 % (aktiver Fonds) im Vergleich zu einer TER von 0,2 % (passiver ETF) über 20 Jahre zu einem Vermögensunterschied von über 60.000 €. Das sind 60.000 €, die Sie der Fondsgesellschaft schenken, anstatt sie für Ihre Ziele zu nutzen.

Auch komplexe Versicherungsprodukte wie ETF-Policen, die oft mit Steuervorteilen beworben werden, entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als Kostenfallen. Wie der renommierte Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Walz treffend analysiert, sind die Nachteile oft größer als die beworbenen Vorteile.
Die Leute sollen investieren, nicht steuersparen spielen. ETF-Policen sind teuer, unflexibel und nur unter Idealbedingungen überhaupt günstiger.
– Prof. Dr. Hartmut Walz, Kritik an Finanzfluss ETF-Policen Empfehlung
Der wirksamste Schutz vor diesem Kosten-Killer ist die radikale Fokussierung auf kostengünstige, passive Anlageprodukte wie ETFs. Ihre geringen Gebühren sorgen dafür, dass der Löwenanteil der Marktrendite auch tatsächlich bei Ihnen ankommt.
Die Macht der Einfachheit: Warum eine simple Anlagestrategie die komplexeste übertrifft
In einer komplexen Welt neigen wir dazu, komplexe Lösungen für besser zu halten. Bei der Geldanlage ist das Gegenteil der Fall. Die erfolgreichsten Anlagestrategien sind oft verblüffend einfach. Diese „strategische Langeweile“ ist kein Manko, sondern eine Superkraft. Sie schützt Sie vor den beiden größten Gefahren: hohen Kosten und emotionalen Fehlentscheidungen (der „Verhaltens-Gravitation“).
Eine einfache Strategie, wie das Investieren in einen einzigen, global diversifizierten ETF, ist leicht zu verstehen, kostengünstig umzusetzen und psychologisch einfach durchzuhalten. Sie eliminieren das Bedürfnis, ständig Entscheidungen treffen, den Markt beobachten oder Ihr Portfolio umschichten zu müssen. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, aus einer Laune heraus teure Fehler zu begehen, dramatisch. Selbst Investmentlegende Warren Buffett ist ein Verfechter der Einfachheit. Seine empfohlene Altersvorsorge-Strategie für seine Erben besteht aus nur zwei simplen Bausteinen. Historisch betrachtet, erzielte die von Buffett empfohlene 90/10 Strategie (90 % in einen S&P 500 ETF, 10 % in kurzlaufende US-Staatsanleihen) eine beeindruckende Rendite von rund 9 % pro Jahr.
Der Trugschluss vieler Anleger ist, dass sie durch die Beimischung exotischer Anlageklassen, durch taktische Umschichtungen oder die Auswahl vermeintlich cleverer Nischen-ETFs eine Überrendite erzielen könnten. Die Realität zeigt, dass diese Komplexität meist nur zu höheren Kosten und schlechteren Entscheidungen führt. Eine passive, breit gestreute und simple Strategie, die man diszipliniert über Jahrzehnte beibehält, ist für 99 % aller Privatanleger der überlegene Weg. Akzeptieren Sie, dass Sie den Markt nicht vorhersagen können, und nutzen Sie stattdessen seine gesamte Kraft mit minimalem Aufwand.
Der entspannte Weg zum Vermögen: Eine einfache Anleitung zum Aufbau eines globalen ETF-Portfolios
Die Umsetzung der bisher besprochenen Prinzipien ist einfacher als Sie denken. Der Aufbau eines wissenschaftlich fundierten, global diversifizierten Portfolios erfordert heute weder ein großes Vermögen noch tiefes Expertenwissen. Dank kostengünstiger ETFs und moderner Online-Broker kann jeder mit wenigen Klicks und kleinen Beträgen starten.
Die populärste und einfachste Methode ist die Investition in einen einzigen „All-World“-ETF. Produkte wie der FTSE All-World oder der MSCI ACWI bilden mit einem einzigen Wertpapier die Entwicklung von tausenden Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Sie kaufen damit quasi „die ganze Welt“ und erreichen maximale Diversifikation bei minimalen Kosten und Aufwand. Eine Alternative, die bei deutschen Anlegern ebenfalls beliebt ist, ist das sogenannte 70/30-Portfolio, bei dem man einen ETF auf Industrieländer (z.B. MSCI World) mit einem ETF auf Schwellenländer (z.B. MSCI Emerging Markets) kombiniert. Dies erlaubt eine individuelle Gewichtung der Regionen, erhöht aber die Komplexität geringfügig. Für die allermeisten Anleger, insbesondere für Einsteiger, ist die Ein-ETF-Lösung der ideale, entspannte Weg zum Vermögen. Sparpläne sind oft schon ab 25 € pro Monat verfügbar.

Der Prozess vom Entschluss bis zum ersten Investment dauert oft weniger als eine Stunde. Er ist vollständig digital und transparent. Die folgende Anleitung fasst die wesentlichen Schritte zusammen, um Ihr eigenes, robustes ETF-Portfolio aufzusetzen.
Ihr Plan zum globalen ETF-Portfolio
- Depot eröffnen: Wählen Sie einen kostengünstigen Online-Broker. In Deutschland sind Neobroker (z.B. Trade Republic, Scalable Capital) oder Direktbanken (z.B. ING, comdirect) etablierte Anbieter.
- Identität bestätigen: Führen Sie die gesetzlich vorgeschriebene Legitimation durch. Dies geschieht in der Regel bequem per VideoIdent-Verfahren am Smartphone oder Computer in wenigen Minuten.
- ETF auswählen: Suchen Sie nach der ISIN eines passenden globalen ETFs. Für die Ein-Fonds-Strategie eignen sich thesaurierende (automatisch wiederanlegende) ETFs auf den FTSE All-World oder MSCI ACWI Index.
- Sparplan einrichten: Legen Sie einen monatlichen Sparbetrag fest (z.B. 50 €, 100 € oder mehr) und wählen Sie einen Ausführungstag (z.B. der 1. oder 15. des Monats). Der Kauf erfolgt dann vollautomatisch.
- Geduld haben und Kurs halten: Überprüfen Sie Ihr Portfolio einmal jährlich. Ein sogenanntes Rebalancing (Wiederherstellung der ursprünglichen Gewichtung) ist bei einer Ein-Fonds-Strategie nicht nötig. Bei der 70/30-Strategie kann es durch Anpassung der Sparraten steuerneutral erfolgen.
Fördermittel optimal nutzen: Eine Anleitung für den Dschungel der Bau-Förderungen
Während Aktien-ETFs das Fundament für den liquiden Vermögensaufbau bilden, stellt die eigengenutzte oder vermietete Immobilie für viele Deutsche einen weiteren wichtigen Baustein der Asset Allocation dar. Auch hier gelten die Prinzipien der Kosten-Nutzen-Analyse. Ein oft übersehener Hebel zur Renditesteigerung und Kostensenkung sind staatliche Fördermittel. Insbesondere im Bereich der energetischen Sanierung und des energieeffizienten Bauens bietet der Staat erhebliche finanzielle Anreize.
In Deutschland ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die zentrale Anlaufstelle. Sie stellt enorme Summen zur Verfügung, um den klimafreundlichen Umbau des Gebäudebestands voranzutreiben. Allein für das Jahr 2024 sind beispielsweise laut der KfW über 50 Milliarden Euro für die Wohnraumförderung vorgesehen. Diese Mittel werden in Form von zinsgünstigen Krediten und, noch wichtiger, nicht rückzahlbaren Tilgungszuschüssen vergeben.
Diese Zuschüsse wirken wie eine direkte Renditesteigerung. Wer eine Sanierung plant, sollte daher unbedingt prüfen, welche Förderprogramme in Frage kommen. Die Anforderungen sind oft an das Erreichen bestimmter Effizienzhaus-Standards geknüpft. Die Investition in eine bessere Dämmung oder eine moderne Heizung wird so doppelt belohnt: durch niedrigere Energiekosten und durch direkte staatliche Zuschüsse. Der Dschungel an Programmen auf Bundes- und Länderebene kann unübersichtlich sein, doch die Beauftragung eines zertifizierten Energieberaters, dessen Kosten oft ebenfalls bezuschusst werden, schafft hier Klarheit.
Praxisbeispiel: Renditesteigerung durch KfW-Förderung
Ein Immobilieninvestor plant die Sanierung eines Mehrfamilienhauses. Sein Ziel ist es, den energetischen Standard auf das Niveau eines Effizienzhauses 40 zu heben. Durch die Nutzung des KfW-Kreditprogramms 261 für die Sanierung erhält er nicht nur einen zinsgünstigen Kredit, sondern auch einen Tilgungszuschuss von bis zu 20 % der Kreditsumme, maximal jedoch 30.000 € pro sanierter Wohneinheit. Dieser Zuschuss reduziert seine tatsächlichen Investitionskosten erheblich. In Kombination mit steuerlichen Vorteilen, wie der erhöhten Absetzung für Abnutzung (AfA) für energetische Sanierungen, kann die Gesamtrendite seiner Kapitalanlage um zwei bis drei Prozentpunkte pro Jahr steigen. Die Förderung wandelt eine durchschnittliche Investition in eine hochrentable um.
Das Wichtigste in Kürze
- Ihre strategische Vermögensaufteilung ist der entscheidende Hebel, nicht die Aktienauswahl.
- Inflation ist der garantierte Vermögensvernichter; das Risiko von Marktschwankungen ist dagegen nur temporär.
- Eine einfache, kostengünstige und disziplinierte ETF-Strategie ist der wissenschaftlich fundierte Weg zum Erfolg.
Wirtschaft und Finanzen verstehen: Ein klarer Kompass für Ihre finanziellen Entscheidungen
Am Ende des Tages laufen alle Prinzipien auf eine zentrale Erkenntnis hinaus: Um erfolgreich und stressfrei zu investieren, müssen Sie die grundlegende Funktionsweise der Wirtschaft und der Finanzmärkte verstehen – nicht im Detail, aber in ihren Grundzügen. Sie müssen den Unterschied zwischen Preis (was Sie zahlen) und Wert (was Sie bekommen) kennen. Sie müssen die unaufhaltsame Kraft des Zinseszinses verinnerlichen und die zerstörerische Wirkung von Inflation und Kosten begreifen.
Ein entscheidendes Missverständnis vieler sicherheitsorientierter Anleger betrifft das Wesen von Risiko. Wie der Finanztheoretiker William J. Bernstein argumentiert, ist die Perspektive entscheidend.
Bei langem Zeithorizont sind Anleihen riskanter als Aktien, da sie anfällig für Inflation sind.
– William J. Bernstein, Deep Risk: How History Informs Portfolio Design
Diese Aussage kehrt die gängige Wahrnehmung um: Das vermeintlich „sichere“ Investment (Anleihen, Sparbuch) birgt das hohe Risiko des realen Kaufkraftverlustes, während das vermeintlich „riskante“ Investment (Aktien) langfristig die größte Sicherheit für den Vermögenserhalt bietet. Der Blick auf über 100 Jahre Finanzgeschichte bestätigt dies eindrucksvoll. Die folgende Tabelle, basierend auf langfristigen Datenanalysen, zeigt die inflationsbereinigten Realrenditen der wichtigsten Anlageklassen.
| Anlageklasse | Reale Rendite p.a. (seit 1900) | Risiko (Volatilität) |
|---|---|---|
| Aktien weltweit | 5,1% | Hoch (16%) |
| Anleihen | 1,8% | Mittel |
| Geldmarkt/Sparbuch | 0,4% | Niedrig |
Die Botschaft dieser Daten ist unmissverständlich: Nur Aktien waren historisch in der Lage, Vermögen zuverlässig und deutlich über der Inflationsrate zu vermehren. Ihr Kompass für finanzielle Entscheidungen sollte daher auf diesen wissenschaftlichen Fakten und nicht auf kurzfristigem Marktrauschen oder Ängsten basieren. Verstehen Sie die Prinzipien, vertrauen Sie dem Prozess und lassen Sie die Zeit für sich arbeiten.
Häufig gestellte Fragen zur strategischen Geldanlage
Warum funktioniert eine einfache Strategie besser als komplexe Ansätze?
Einfache Strategien reduzieren Entscheidungsfehler, senken Kosten und sind psychologisch leichter durchzuhalten. Studien zeigen, dass passive Portfolios aus 2-3 ETFs meist besser performen als aktiv gemanagte Multi-Asset-Strategien.
Reicht wirklich ein einziger Welt-ETF für die Altersvorsorge?
Für viele Anleger ja. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI ETF deckt über 3.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern ab und bietet maximale Diversifikation bei minimalen Kosten.
Wann sollte man seine simple Strategie komplexer gestalten?
Erst ab einem Vermögen über 100.000€ kann es sinnvoll sein, über Beimischungen wie Anleihen-ETFs oder REITs nachzudenken. Vorher ist Einfachheit Trumpf.